Woran du merkst, dass deine Website veraltet ist
Veraltet heisst nicht «gefällt mir nicht mehr». Es heisst, dass die Seite Kundschaft kostet, ohne dass du es siehst. Neun Prüfungen, die du selber machen kannst.
· 6 Min. Lesezeit

Eine Website altert nicht wie ein Fahrzeug, das langsam mehr Lärm macht. Sie funktioniert scheinbar weiter, während im Hintergrund Anfragen ausbleiben, die nie jemand zählt. Deshalb hier neun Prüfungen mit klarem Ergebnis — kein Fachwissen nötig, alle zusammen in zwanzig Minuten.
Die Prüfungen am Handy
1. Der Zoom-Test
Öffne deine Seite auf dem Handy. Musst du hineinzoomen, um den Text zu lesen? Musst du seitlich schieben, um eine Zeile zu Ende zu lesen? Dann ist die Seite nicht für Handys gebaut. Das ist heute kein Schönheitsfehler mehr: Google durchsucht seit dem 5. Juli 2024 alle Websites mit dem Smartphone-Programm — was auf dem Handy nicht funktioniert, wird auch so bewertet.
2. Der Daumen-Test
Tippe mit dem Daumen, nicht mit dem Fingernagel, auf Menü, Telefonnummer und Formularfelder. Triffst du daneben oder erwischst du den Nachbarlink, sind die Flächen zu klein. Auf einer Seite, die heute gebaut wird, passiert das nicht.
3. Das Schloss in der Adresszeile
Steht dort ein Warnzeichen oder das Wort «Nicht sicher», läuft deine Seite ohne verschlüsselte Verbindung. Browser zeigen das prominent an, und wer ein Formular ausfüllen soll, sieht die Warnung direkt daneben. Das ist der Punkt auf dieser Liste mit dem schlechtesten Verhältnis von Aufwand zu Schaden — technisch schnell behoben, aber solange er offen ist, kostet er Vertrauen bei jedem Besuch.
Die Prüfungen unter der Haube
4. Spuren einer anderen Zeit
- «Diese Seite benötigt Adobe Flash»: Adobe hat Flash Ende 2020 eingestellt, die Browser führen es seither nicht mehr aus. Was damit gebaut war, ist heute eine leere Fläche.
- «Optimiert für Internet Explorer»: Microsoft hat die Unterstützung für Internet Explorer 11 am 15. Juni 2022 eingestellt.
- Eine Seite, die in mehrere feste Rahmen unterteilt ist und deren Adresse sich beim Klicken nie ändert: Das sind Framesets, seit HTML5 nicht mehr Teil des Standards.
- Ein Besucherzähler, ein «Best viewed»-Hinweis, ein Gästebuch oder eine animierte Grafik im Kopfbereich.
5. Der Tempotest
Gib deine Adresse bei Googles PageSpeed Insights ein — das ist kostenlos und braucht kein Konto. Achte auf den Wert «Largest Contentful Paint»: Er misst, wann der grösste sichtbare Inhalt da ist. Google bewertet unter 2,5 Sekunden als gut. Dazu kommen «Interaction to Next Paint» unter 200 Millisekunden für die Reaktion auf Eingaben und «Cumulative Layout Shift» unter 0,1 dafür, dass beim Laden nichts mehr herumspringt. Diese drei Werte heissen Core Web Vitals, und Google nennt sie als Bewertungskriterien.
6. Die Adresse selbst
Endet deine Adresse auf etwas anderes als deine eigene Domain — also auf die Subdomain eines Gratis-Baukastens —, dann gehört dein Auftritt der Plattform und nicht dir. Beim Anbieterwechsel bleibt nichts übrig, nicht einmal die Adresse, die du jahrelang auf den Lieferwagen geschrieben hast.
Die Prüfungen am Inhalt
7. Die Jahreszahl unten
Steht im Fussbereich «© 2017»? Das ist eine Kleinigkeit, aber es ist die Kleinigkeit, die jeder sieht. Sie sagt dem Besucher: Hier hat seit Jahren niemand mehr hingeschaut. Dasselbe gilt für Hinweise zu Schutzmassnahmen aus dem Jahr 2021, für Mitarbeitende, die längst weg sind, und für eine Aktion, die letzten Sommer endete.
8. Klick alles an
Geh jeden Menüpunkt und jeden Link durch. Fehlerseiten, leere Unterseiten mit «Inhalt folgt», Bilder, die nicht laden, ein Kartenausschnitt, der nur noch einen grauen Kasten zeigt: All das kommt vor, und die Betreiber wissen es fast nie. Schick zum Abschluss dein eigenes Kontaktformular ab und prüfe, ob die Mail ankommt — auch im Spam-Ordner.
9. Die Frage, die am meisten verrät
Wer kann heute, jetzt gerade, deine Öffnungszeiten ändern? Wenn die Antwort «der Sohn vom Nachbarn, aber der studiert jetzt» lautet oder «die Agentur gibt es nicht mehr», dann ist das Alter der Seite nicht das Problem. Das Problem ist, dass niemand mehr hinkommt. Prüfe bei der Gelegenheit auch, auf wessen Namen die Domain läuft.
Die Kurzfassung
Zwei Ja bei den Punkten 1 bis 3 heissen: dringend. Ein Ja bei 4 oder 6 heisst: grundsätzlich neu, flicken lohnt nicht. Nur 7 und 8 heissen: aufräumen genügt vorerst. Und ein Ja bei 9 heisst, dass du es unabhängig vom Rest angehen solltest.
Erneuern heisst nicht wegwerfen
Der häufigste Grund, warum eine alte Seite alt bleibt: die Angst, dass alles verloren geht. Muss es nicht. Logo, Fotos, Texte und vor allem die Domain wandern mit — nur Aufbau und Technik entstehen neu. Wie das aussieht, zeigen wir an drei Beispielbetrieben: Zu jedem haben wir die alte Seite so nachgebaut, wie sie damals ausgesehen hätte — Tabellenlayout von 2004, Frameset von 2008, Baukasten-Vorlage von 2014 — und die neue daneben gestellt. Erfundene Betriebe, echte Websites: Kundenseiten zeigen wir erst, wenn unsere Kunden zustimmen.
Alle Vorher-Nachher-Beispiele und die Demo-Seiten findest du gesammelt auf einer Seite.
Was ein Neubau kostet, hängt davon ab, wie viele Seiten du brauchst und ob es mehrsprachig sein soll — die Preise stehen offen unter Pakete, und was alles dazugehört, unter Leistungen.
Fragen
Kurz und ehrlich beantwortet
Wie alt darf eine Website sein?
Es gibt keine Frist. Entscheidend sind die Prüfungen: Wenn sie auf dem Handy funktioniert, verschlüsselt läuft, schnell lädt und die Inhalte stimmen, darf sie zehn Jahre alt sein. Fällt sie bei den ersten drei Punkten durch, ist sie nach zwei Jahren schon zu alt.
Kann ich meine alte Adresse behalten?
Ja, und das solltest du auch. Die Domain wandert mit, Visitenkarten und Fahrzeugbeschriftung bleiben gültig, und die Verweise, die andere Seiten auf dich gesetzt haben, gehen nicht verloren. Wichtig ist nur, dass die Domain auf deinen Namen läuft.
Lohnt sich Flicken statt Neubau?
Bei fehlender Verschlüsselung, veralteten Inhalten oder toten Links: ja, das lässt sich einzeln beheben. Bei einer Seite, die nicht für Handys gebaut ist oder auf abgekündigter Technik läuft, kostet Flicken meist mehr als ein Neubau — und hält kürzer.
Was passiert mit meinen bisherigen Texten und Bildern?
Wir sichten alles und übernehmen, was noch stimmt. Logo und brauchbare Fotos wandern mit, Texte werden gekürzt und geordnet statt neu erfunden. Was wegfällt, besprechen wir vorher mit dir.